Salonorchester Oberbrechen – der Name ist Programm. 

 

Wir spielen überwiegend Kaffeehausmusik, aber zu den leichten Walzerklängen und flotter Marschmusik kommen durchaus auch Werke der Klassik von Mozart, Haydn, Beethoven, Händel . . . Manchmal würden die Mäuschen sogar Tango tanzen können, wenn sie uns denn zuhörten!

Im Orchester sitzen zur Zeit vier erste und vier zweite Violinen, zwei Querflöten, eine Klarinette, eine Posaune, zwei Celli, ein Streichbass, eine Tuba, gelegentlich auch eine Trompete und natürlich unsere „Frau am Klavier“, die uns nicht nur den Takt vorgibt sondern als 1. Vorsitzende des Vereins auch die Richtung!

Bei dieser nicht ganz standardmäßigen Besetzung ist manchmal ein wenig Improvisationstalent gefragt und ein Herantasten an ein passendes Arrangement, aber dieser Herausforderung stellen wir uns gern.

In unsere Reihen kann jederzeit ein weiterer Stuhl gestellt werden. Wir freuen uns über neue Mitspieler und nehmen auch Sie gern in einen Kreis auf, der Spaß am gemeinsamen Spielen hat, aber auch die Kommunikation untereinander (möglichst in den Pausen!!) nicht zu kurz kommen lässt.

 

Jennifer Möbus, Pianistin und Flötistin

Das schwarze Haar streng zurückgebunden und mit einem roten Band im Nacken zusammengehalten, so sitzt sie vor mir. Man ist an eine Flamencotänzerin erinnert oder an Carmen. „Nein, nein“, lächelt sie in ihrer gewinnenden Art, „ich bin in Cleveland, Ohio geboren und auf Long Island bei New York aufgewachsen. Spanier gibt es unter meinen Vorfahren nicht!!“

Zu ihren frühen Kindheitserinnerungen zählt die endlose Reihe an Schallplatten mit klassischer Musik, die ihr Vater gesammelt hatte. Beide Eltern hören sie gern, der Vater singt und hat früher auch Klavier gespielt. Er ist beim Radiosender  als Manager beschäftigt – der Grund für einige Umzüge, die die Schwestern zusammen mit ihren Eltern hinter sich bringen. Jennifer ist kaum 7, als sie ihre Eltern mehr und mehr mit ihrem dringenden Wunsch nervt, Klavier spielen zu lernen. Im Haushalt war kein Klavier! Endlich geben die Eltern nach und mieten eines. Zusammen mit ihren beiden Schwestern bekommt sie Unterricht, doch diese geben bald auf. Ihr Vater fährt sie viele Jahre lang, bis zum Ende der Highschool, jeden Samstag eine halbe Stunde über den verkehrsreichen Long Island Expressway zum Unterricht am anderen Ende der Metropole. Dieses Engagement für die Musik verbindet Vater und Tochter auf besonders innige Weise. - Inzwischen steht sogar ein Steinway-Flügel im New Yorker Haus.

Aber wie kam es zur Flöte? Jennifers Antwort bringt mich aus der Fassung: „Der Schnurrbart meines Onkels war’s!“ Ja, der Onkel entlockte als Jazzer seiner Querflöte wunderbar tiefe, volle, kernige Töne und dabei hüpfte sein Bart so lustig. Als nun in der Schule den Kindern irgendein Instrument freigestellt wurde, wählte sie die Querflöte. Mit 9 Jahren begann sie mit dem Privatunterricht und zog ihn bis zum Schulende durch.

Jennifer Möbus hatte sich für das Studium der Psychologie entschieden. In Ohio eröffnet sich für sie die Möglichkeit gleichzeitig am Oberlin Conservatory ein Musikstudium aufzunehmen. Sie besteht die Aufnahmeprüfungen, zieht die Studien durch und schafft ihren doppelten Abschluss. Double degree. Klavier  einerseits, Psychologie andererseits.

Was nun? Das unstete Leben einer Pianistin/ Flötistin beginnen? Die junge Frau braucht eine Auszeit zur Orientierung und Selbstfindung. Sie reist nach Oregon, nicht ahnend, dass es eine Reise in ein anderes Leben und eine langjährige Entfernung von der geliebten Musik wird. In Oregon lernt sie einen deutschen Architekten kennen, ihren späteren Mann. Im beschaulichen Hünfelden lernt sie sein Elternhaus kennen. Das junge Paar zieht es aber wieder in die USA, wo der Sohn geboren wird.  6 Jahre lang bereist die Familie die Staaten. Offenheit der immer neuen Umgebung gegenüber und Flexibilität sind gefragt, Eigenschaften, die sie bis heute auszeichnen.

Trotz der Einbettung in die Familie ist der Neuanfang in Deutschland danach nicht einfach, denn die deutsche Sprache ist noch fremd. Sie lernt sie zusammen mit dem Sohn, der in die Grundschule kommt. Zwei Mädchen werden geboren. Mit Haushalt und den Kindern ist die junge Mutter so gefordert, dass die Musik nur einen Platz in ihrem Herzen behält.

Ein Schicksalsschlag wirft Jennifer Möbus auf sich selbst zurück: Ihr Mann erliegt sehr jung einer  schweren Erkrankung. – In dieser Situation kommt die Anfrage, ob sie nicht einer Nichte Klavierunterricht geben könnte. Es wird nach langer Pause der erste Schritt zurück in „ihre Welt“ sein. Ein Klavier wird gemietet.

Als das Salonorchester Oberbrechen durch einen Zeitungsartikel nach neuen Musikern sucht, meldet sie sich als Flötistin und wird begeistert aufgenommen. Sie kennt diese Art Musik nicht, aber sie stürzt sich mit Elan hinein und setzt den Melodien ihre „Krönchen“ auf. Von ihrem Klavierstudium sagt sie zunächst nichts, aber bald bekommt sie ihre ersten Gelegenheiten zu Begleitungen und zu solistischem Spiel. Wer das Glück hatte, von ihr am Klavier begleitet zu werden, schwärmt von ihrem subtilen, einfühlsamen Spiel, das nie in den Vordergrund drängt, aber selbstbewusst heraustritt mit den Motiven, das die Melodienbögen nachzeichnet und gleichzeitig einen sicheren Halt gibt.

Nun geht es Schlag auf Schlag. Ein Gespräch mit Erhard Köhler am Rande eines Konzerts führt dazu, dass sie wenig später den anspruchsvollen Flötenpart in Bachs h-moll Suite übernimmt. Längst sind technische Brillanz, musikalisches Feingefühl wieder geweckt. Es folgt ein Großereignis nach dem anderen. Ob sie das Brandenburgische Konzert Nr. 5 von Bach am Cembalo interpretiert oder bei einem Konzert für Harfe und Querflöte in Lindenholzhausen mitwirkt. Ihre Augen glänzen, als sie von dem Konzert  mit der Limburger Orchestervereinigung 2015 in der beeindruckenden Kirche in Limburgs Partnerstadt Ste Foy-les-Lyon spricht: „Mozart Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur – auf einem wunderbaren Flügel! Es war ein Highlight für mich. Die Akustik in der Kirche war unglaublich, die Kirche war rappelvoll und das Publikum begeistert. Das größte Kompliment für mich war nachher zu hören, dass beim langsamen zweiten Satz einige Zuhörer Tränen in den Augen hatten.“

Öfter sitzt bei den Konzerten in der ersten Reihe eine quirlige,  schlanke Dame mit einer bunten Strähne im dunklen Haar. Jennifers über 80jährige Mutter ist dann über den großen Teich geflogen, um den Triumph ihrer Tochter mitzuerleben.  Keine Frage, woher Jennifers Temperament kommt!!

Wer bei einer ihrer Konzerte die Virtuosität erlebt hat, präzises Spiel und Leidenschaft, der wird sich auf das Sinfonische Konzert im Bürgerhaus in Lindenholzhausen am 15.4. 2018 um 16:30 freuen. Dort spielt sie das Klavierkonzert d-Moll KV 466 von Mozart.

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